Altes Rathaus

Zepernick-Röntgental Rathaus nach 1935

Einen offiziellen Namen hat das Haus in der Heinestraße 1 derzeit nicht. Umgangssprachlich spricht man im Ort von der „alten Gemeinde“ oder auch vom „alten Rathaus“. Die älteste uns bekannte Abbildung zeigt das Gebäude als „Deutsche Ecke“ auf einer Postkarte, die aufs Jahr 1910 datiert wird. Lange Zeit im Dunkeln lag das genaue Jahr der Errichtung. Nachforschungen des Geschichtsvereins haben nun mit der Auffindung des „Gebrauchsabnahmeprotokolls“ aus dem Jahre 1904 Licht in das Kapitel der Entstehung dieses für Zepernick historisch recht bedeutsamen Hauses gebracht. Aus den beiliegenden Unterlagen geht hervor, dass der Rohbau bereits im April 1904 fertiggestellt wurde. Im September erfolgte schließlich die so genannte Gebrauchsabnahme. Ein Auszug aus dem Grundbuch verrät darüber hinaus, dass das Grundstück bereits 1900 parzelliert war. Die Anschrift lautete damals noch Kaiser Friedrichstraße 1 Ecke Möserstraße. Es gehörte zu dieser Zeit Karl Winkler, einem Berliner Rentier, der bei der Besiedlung Röntgentals eine maßgebliche Rolle spielte. Noch heute trägt deshalb die Winklerstraße in Röntgental seinen Namen.

Nachdem das Grundstück innerhalb kürzester Zeit mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, erwirbt es 1904 ein Herr Schönfeldt, Maurer- und Zimmermeister aus Lanke. Ein Jahr zuvor errichtete er bereits den Saal des Restaurants „Waldhaus“ von Ferdinand Küsel. Schönfeldt verewigt sich in zahlreichen Gebäuden im Ort, zum überwiegenden Teil in Röntgental. Er erwirbt die angrenzenden Grundstücke in der Möserstraße und errichtet beispielsweise das „Jagdschlösschen“, „Tom’s Hütte“ oder die „Villa Edelweiß“. Auch das Haus in der Triftstraße 9 und – schräg gegenüber – das mit der Nummer 76, die Häuser in der heutigen Max-Lenk-Straße 6 und 7 sowie das Wohnhaus von Ferdinand Küsel neben seinem Restaurant in der damaligen Bärwolfstraße (heute Heinestraße) hat Schönfeldt erbaut. In der Schönerlinder Straße erbaute er 1909 das Schulhaus und errichtete 1910 für den Gemeindevorsteher August Möser ein Wohnhaus.

Doch zurück zur „Deutschen Ecke“. Das als Gasthof errichtete Haus wurde 1912 von August Adomeit erworben, der es unter der Bezeichnung „Restaurant und Gasthof zur deutschen Ecke“ weiterführte.

Im Jahr 1920 kaufte die Gemeinde das Haus, da sie für ihre Verwaltung ein neues Domizil benötigte. Bis dato war der Sitz der Gemeinde im Schulgebäude. Aufgrund der wachsenden Schülerzahlen reichte dort der Platz nicht länger aus. Aus dieser Zeit ist uns leider keine Aufnahme des Gebäudes bekannt. Fakt ist, dass der Haupteingang im Jahr 1935 umgestaltet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die Fassade erneuert. Die Verzierungen wie sie auf alten Aufnahmen gut erkennbar sind, fielen weg. 1933 wurde im Vorgarten ein Fernsprechhäuschen errichtet. Die Schilder an der Fassade verraten außerdem, dass auch die Polizei dort untergebracht war sowie das Standesamt.

Während letzteres bis zum Umzug der Gemeindeverwaltung ins Amtsgebäude 1995 seinen Sitz dort hatte, wurde die Meldestelle der Polizei zu DDR-Zeiten in das benachbarte Haus in der Möserstraße 16 verlegt, einst „Tom’s Hütte“. Auch hier erfolgte ein Umbau der Fassade, so dass das Gebäude auf den ersten Blick gar nicht wiederzuerkennen ist.

Seit 1951 befand sich auch die Bibliothek in der Heinestraße 1. Zunächst war sie im Dachgeschoss untergebracht, später lange Zeit im Parterre und zuletzt im ersten Obergeschoss. Im Jahr 2005 zog die Bibliothek an den heutigen Standort ins Rathaus am S-Bahnhof Zepernick.

Mit der grundlegenden Sanierung ist das über hundertjährige Haus in der Heinestraße nun für die Zukunft gewappnet. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Gebäude des Montessori-Hortes sowie dem entstehenden Schillerpark entwickelt sich dieses kleine Ortszentrum an der Grenze zwischen Zepernick und Röntgental gelegen, erneut zu einem vorzeigbaren Glanzpunkt im Ortsbild.

Im Erdgeschoss ist heute die Außenstelle des Hortes der Grundschule Zepernick untergebracht. Weitere Mieter sind die Zepernicker AWO, der Geschichtsverein, die Ortsvorsteherin, eine Physiotherapie, eine Hebammenpraxis sowie eine Englisch-Schule.

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